Anschartopia - Visionsentwicklung mit Kindern und Jugendlichen / Heinrich-Böll-Stiftung SH
© Heinrich-Böll-Stiftung SH

Anschartopia - Visionsentwicklung mit Kindern und Jugendlichen

Kiel Wik, Anscharpark
Jul 2022

Visionen zu entwickeln ist gar nicht so leicht. Vielen Menschen, vor allem den Erwachsenen, fällt es schwer, sich gedanklich von dem zu lösen, was aktuell ist und sich völlig frei dem zu widmen, was in Zukunft sein könnte. Genau das ist aber nötig, um Veränderungen herbeizuführen und mehr Lebensqualität in einem Quartier zu erreichen. Kinder können das noch, weshalb es spannend ist, sie in einen solchen Prozess mit einzubinden. Weiterhin wurden Schauspieler*innen des im Anscharpark ansässigen Augenblicke Theater e.V. eingeladen, um die Teilnehmenden mit auf drei fantasievolle Rundgänge durch das Quartier zu nehmen.

Rund 25 Kinder, Jugendliche und Erwachsene der Apostel Gemeinde teilten sich auf die drei Themen „Bauernhof“, „Olympia-Stadion“ und „Urlaubsparadies“ auf. Inspiriert durch die Schauspieler*innen stellten sie sich den Anscharpark einmal als völlig anderen Ort vor, um spielerisch Ideen ohne Grenzen zu entwickeln. Diese wurden dann spontan mittels buntem Tape, Sprühkreide und riesigen Stoffbahnen im Raum inszeniert, um sich das Ganze vor Ort direkt besser vorzustellen.

Die neue Welt der Anschartopia...
Die Ergebnisse und Fantasien für Anschartopia waren vielfältig: Wenn der Anscharpark ein Bauernhof wäre, dann sollte es hier einen Streichelzoo und einen „Marshmallow-Baum“ geben. Wenn es ein Olympia-Stadion wäre, fänden sich hier Slalom-Parcoure und so neuartige Disziplinen wie „Helikopterschaukeln“. Und wäre der Anscharpark ein Urlaubsparadies, so könnte man hier auf einer Wasserrutschbahn toben, sich von der „Anscharbahn“ durch den Park kutschieren lassen und in einem „Wohnmobil-Boot“ übernachten. All die verrückten und charmanten Ideen wurden von den Teilnehmenden auf großen Plakaten visualisiert und während des Nachbarschafts-Flohmarktes am 02. Juli öffentlich im Anscharpark ausgestellt. Doch das war noch nicht alles. Visionsentwicklung hat auch etwas mit dem Glauben an die Realisierbarkeit zu tun. Die Aktion „Anschartopia“ sollte auch vermitteln: Was immer du dir vorstellen kannst, kannst du erschaffen!

So wurden einige der Ideen an diesem Tag als Pop-up Station mit einfachen Mitteln erlebbar gemacht. Es gab eine Wasserrutsche auf der Dachschrägen der Tiefgarageneinfahrt. Das Wasser spendierte das GWU von ihrem nächstgelegenen Wasseranschluss. David Leon Schloßbauer erstellte künstlerische Klangwelten für drei Soundstationen. So konnten beispielsweise an einem imaginären Streichelzoo Tiergeräusche „erlauscht“ werden und träumerische Musik lockte Besucher/innen und Kinder zum „Marshmallowbaum“ im Park, an dem es echte Marshmallows zu ernten gab. Eine „Aloha-Chill-Area“ lud zum Verweilen auf Liegestühlen ein, während man durch Wellenrauschen und entspannende Aloha-Klänge aus den Lautsprechern in echte Urlaubsstimmung gebracht wurde. Auch das Thema Olympia war präsent mit einer Slalom-Rennstrecke und Siegertreppchen. All diese Ideen und Wünsche konnten realisiert werden, weil viele Akteur/innen der Nachbarschaft miteinander kooperierten und sich gegenseitig mit ihren Mitteln und Ressourcen unterstützten.

Visionsentwicklung - Die Methode und ihre Chancen
Visionen sind ein toller Impuls. Sie spiegeln Wünsche, Interessen und Bedürfnisse wieder. Diese zu ermöglichen und in der Realität erlebbar zu machen, ist als Phase der Ideenentwicklung wichtiger Teil eines Cultural Planning Prozesses. Bei Anschartopia ging es darum, die Bewohnerinnen, Nutzerinnen und Akteur*innen der Nachbarschaft zu inspirieren, zu motivieren und zu befähigen, ihr Quartier aktiv mitzugestalten. Mit einfachen und kreativen Mitteln konnten die Teilnehmenden austesten, wie Ideen Wirklichkeit werden können. Im ersten Schritt nämlich durch Improvisation zum Austesten. Dabei zeigt sich, was funktioniert und wofür es viel Interesse gibt. Wenn solche „Prototypen“ dann als wünschenswert empfunden werden, kann dies die Motivation zur langfristigen Umsetzung steigern und den Weg zu einer festen Implementierung der Idee im Quartier ebnen.

Hintergrund und Projektrahmen
Angegliedert an das Quartiersentwicklungsprojekt „Inklusives Quartier Anscharpark“ will das Projekt „Cultural Planning im Anscharpark“ von der Heinrich-Böll-Stiftung SH einen Stadtentwicklungs-Ansatz anwenden und etablieren, der Kunst und Kultur in partizipative Prozesse integriert. Auf diese Weise werden Ideen, Meinungen und Wünsche im Raum für alle sichtbar gemacht und aktiv auch Zielgruppen erreicht, die sich sonst eher nicht in die Entwicklungsprozesse einer Nachbarschaft einbringen können oder mögen, wie beispielsweise Menschen mit Behinderungen, zurückhaltende Persönlichkeiten oder Kinder.

Im Rahmen dieses Projektes fanden seit 2021 verschiedene Aktionen statt: Die wandernde Litfaßsäule, die Kinder-Aktion „Anscharland“ sowie das Lichterfest „Anschar leuchtet“. Nun folgte zum Abschluss des Projektes noch die Aktion „Anschartopia“, mit der Impulse für die Entwicklung und Umsetzung von Visionen gesetzt wurden. Das Konzept wurde in den gemeinschaftlich organisierten Nachbarschafts-Flohmarkt am Anscharpark integriert, bei dem mehrere Akteur/*innen zusammenarbeiteten: Die Anscharcampus GmbH, die Apostel Gemeinde, die Gruppe „Haus 12 – aktiv für alle“ des Gemeinschaftshauses der ansässigen Genossenschaften sowie das Projektteam vom „Inklusiven Quartiers“, bzw "Cultural Planning Anscharpark" der Heinrich-Böll-Stiftung SH.

>> Demnächst gibt es hier weitere Bilder und Eindrücke der Aktion und Ergebnisse!

Anschartopia - Visionsentwicklung mit Kindern und Jugendlichen /